Was hast Du denn gegen Linux?
On Sat, 1 Jan 2000 13:52:18 +0100, peter@viper.use.ch (Peter Moeckli) wrote:
Was hast Du denn gegen Linux?
Nichts wirksames.
Ich habe da ein Verzeichnis namens "/etc/", in dem so viele Dateien drin sind, die auch tatsächlich etwas zu bedeuten haben, wo man mit "man" bei einigen wenigen auch tatsächlich außer "This documentation is no longer being maintained and may be inaccurate or incomplete. The Texinfo documentation is now the authoritative source." (WTFI TexInfo?) in mehreren hundert Zeilen diese Bedeutung in Erfahrung bringen kann, um schließlich festzustellen, daß anscheinend in allen Dateien alles doppelt und dreifach erwähnt werden muß, was in anderen schon längst drinsteht.
Wenn ich nicht weiß, wie die Konfigurationsdatei(en), in die ich nun eintragen muß, wie z.B. meine IP lautet, heißt, bin ich völlig aufgeschmissen, es sei denn, ich finde evtl. einen kleinen Satz darüber in einem der was-weiß-ich-wievielen HowTos.
Eine zentrale Konfigurationsdatei, in der Systemweite Eigenschaften definiert werden, halte ich durchaus für sinnvoll, ob nun eine Binärdatei alle "Registry" eine gute Idee ist, sei dahingestellt. Außerdem gehört da dann eine übersichtliche, strukturierte GUI drauf.
Aber noch viel schlimmer sind die Anwendungsprogramme. Ein Einheitliches "look & feel" ist nicht drin, wo die unzählbaren Tastenkombinationen von z.B. (X)Emacs nachzulesen sind, möchte ich lieber nich wissen (womöglich diese 100 MB große gezippte Textdatei), ganz zu schweigen von den Einstellungen, die man in Lisp formulieren kann. Dann muß ich auch noch wissen, daß "Segmentation fault" bedeutet, daß ich irgenwie die falsche Version irgendeiner library habe. (womöglich glibc2 aka libc6 anstatt libc5?) Da sage doch noch mal jemand, daß "Allgemeiner Fehler" zu wenig aussagt.
Als Dirk bei mir Linux installiert hat, hat er mir den WindowMaker(sp?) installiert, und als ich damit nicht zufrieden war, voll begeistert den Enlightenment(sp?) gezeigt. Alles schöne, große, bunte Buttons zum klicken, aber wozu denn nun eine GUI tatsächlich dienen kann (und IMHO sollte) scheint bis zu den Unixern noch nicht vorgedrungen zu sein.
Ich vergleiche das mal mit dem Würzen einer Speise:
Unter Windows gehe ich in den Supermarkt an der Ecke und kaufe mir irgendeine von den Gewürzmischungen, die ich dort zur Auswahl habe.
Unter Unix muß ich mich erst mal erkunden, wo denn nun das gewünschte Gewürz wächst, um mir in dieser Region ein Stück Land zu kaufen und es dort anzubauen. Um das notwendigste über "Gewürzanbau" zu erfahren, muß ich nur eine halbe Bibliothek voll Bücher im Kopf haben.
Sicher, wenn mir die Mischungen aus meinem Supermarkt nicht ausreichen, nicht für mein Problem zugeschnitten sind, bin ich aufgeschmissen, aber warum muß ich unter Unix bei jeder Kleinigkeit gleich _alles_, vom Rad beginnend, neu erfinden?Ich habe auch nicht die Graphische Benutzeroberfläche mit der Muttermilch bekommen. Sicher ist DOS nur ansatzweise(r) mit Unix zu vergleichen, aber ich habe früher auch nicht ein Bild von einem Ordner gebraucht, um ein Verzeichnis zu wechseln, ich bin sogar viel später als alle anderen "Freaks" in meiner Umgebung zu einem konsequenten Nutzen von Win3 übergegangen (für mehr als die Spiele und Programme, die nur darunter liefen, habe ich es nicht benutzt) und ebenso später auf Win95. Anfangs hat es mich sehr gestört, nicht mehr mitzubekommen, was die Kiste da hinter dem bunten Bildschirm denn nun tat, aber mitlerweile möchte ich den Komfort, der mir geboten wird, nicht mehr missen. Und ja, ich gebe zu, ich hasse es, kalt zu duschen. ;-)
Irgendwie scheinen die Linux-Freaks die letzten Jahrzehnte zumindestens teilweise verschlafen zu haben.
Würde ich an einem Betriebssystem maßgeblich beteiligt sein, so würde ich versuchen, möglichst viele Vorteile der beiden Varianten zu vereinen, also eine mächtige, leicht zu bedienende, komfortable GUI und einen vielseitigen Kommandozeileninterpreter. Ein Hilfesystem, was auch Einsteigern (ungleich DAUs) ermöglicht, anfangs zurechtzukommen, und dann aber im Laufe der Zeit ermöglicht, immer tiefer in die Materie einzudringen.
Peter, darauf hinweisend, dass es durchaus schon OS gibt, die diesen Namen auch verdienen. Als Bleistifte mal MacOS, AmigaOS,
Kenn ich nicht, ist wohl für mich ausgeschlossen.
BeOS
Kenn ich auch nicht. Muß ich jetzt viel Geld bezahlen, um zu erfahren, was das überhaupt ist?
einred^Haufzaehlend
Sebastian, momentan nicht mehr als die Wahl zwischen Hängen und Erschießen sehend
From: Sebastian Weiser <sweiser@cs.tu-berlin.de>, Newsgroups: de.alt.talk.kasper, Subject: Win contra Unix, unnötig lang! (was: Marmortisch), Date: Sun, 02 Jan 2000 23:47:43 +0100, Message-ID: <b6vu6sg5oootqb7cacqtett4hmqkjpn037@4ax.com>